Stine (1972)

Ein elfjähriges Mädchen an der Schwelle zum Erwachsensein. Stine lebt zusammen mit ihren beiden jüngeren Geschwistern und den Eltern in einer der üblichen Beton-Vorstädte in Dänemark und besucht eine der modernen und nicht autoritären dänischen Schulen. Zu Hause herrscht noch die alte Rollenverteilung mit dem Vater als unbestrittenem Familienoberhaupt und der Mutter als Vermittlerin in allen Konflikten. Im Gegensatz zu ihren jüngeren Geschwistern fühlt sich Stine auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit und auf der Suche nach ihrer eigenen Identität nicht mehr von ihren Eltern beschützt, sondern unverstanden und alleingelassen. In der Schule bekommt sie Ärger mit den Lehrern und verbreitet als Entschuldigung das Gerücht, ihre Eltern würden sich scheiden lassen. Aus ihrer Unsicherheit flüchtet sich Stine schließlich in eine Fantasiewelt und sehnt sich zurück in eine Zeit, als sie noch geborgen in “ihres Vaters Tasche” hockte…

…und hier soll auch schon die Inhaltsangabe zu „Stine“ enden, denn sie ist ein Zitat aus dem Begleitheft, das dem Film beiliegt. Desweiteren werden kurz diverse Phantasien und Aktionen von Stine beschrieben – einschließlich dem Schluß – und es wäre dem Leser gegenüber, der diesen Film nicht kennt, nicht gerecht, hier alles zu erwähnen.

„Stine“ ist ein Sozialdrama, das vor über 40 Jahren in Dänemark entstand und zeigt das Mädchen Stine Jacobsen (gespielt von der damals tatsächlich erst elfjährigen Stine Sylvesterson), die in einer tristen und unpersönlichen Gegend aufwächst. Der Zuschauer bekommt einen kurzen aber intensiven Einblick in das Leben eines Mädchens, dass mit seiner Umwelt nicht zurecht kommt. Und der Zuschauer bemerkt schnell, dass die Geschichte, die in „Stine“ erzählt wird, zumindest aus kindlicher Sicht, hart und kompromisslos ist. Auch wenn es zwischendurch helle und positive Momente gibt, weiß man dennoch, dass sich bald wieder alles zum trostlosen wenden wird.

„Stine“ ist der zweite Teil einer langfristig angelegten Trilogie von Lise Roos über die Entwicklung eines Mädchen zur Frau. Der erste Teil „Hei, Stine“ (1970) stellt die Alltagsprobleme eines neunjährigen Mädchens in den Mittelpunkt, der dritte Teil „So bin ich auch“ zeigt die Protagonistin im Alter von etwa 18 Jahren auf dem Weg ins Berufsleben bzw. in die Arbeitslosigkeit. In allen drei Teilen spielt Stine Sylvestersen die Hauptrolle, die über die Jahre hinweg viel von ihrer eigenen Entwicklung in die Rolle einbringen konnte.  (Zitat aus dem Begleitheft!)

Leider sind mir Teil eins und Teil drei nicht bekannt, aber jeder Film ist für sich abgeschlossen. Auch wenn es sich um eine frei erfundene Geschichte handelt, steckt doch sehr viel Wahrheit in ihr. Die Begebenheiten, die man in „Stine“ sieht, sind alltäglich und passieren jeden Tag auf der Welt. Das Anliegen der Filmemacher war es zu zeigen, was für einen Einfluss so eine unpersönliche und graue Umgebung auf Kinder, aber auch auf  Erwachsene haben kann. Und das bereits vor über 40 Jahren! Der Film regt zum Nachdenken an. Der Zuschauer selbst soll nach Beendigung des Films nach möglichen Lösungen suchen, welche zur Behebung der Konflikte, die in diesem Film gezeigt werden, beitragen können…

Mir war dieser Film bis vor kurzem unbekannt. Da ich bevorzugt nach 16mm Filmen aus den nordischen Ländern suche, war es für mich klar, dass ich ihn mir zulegen würde, als ich ihn bei ebay entdeckte. Und ich bereue den Kauf nicht. Zu sehr hat mich die Geschichte und das Spiel von Stine Sylvestersen berührt und beeindruckt. Und nachdem ich festgestellt habe, dass es sich um eine Trilogie handelt, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, nach den beiden anderen Teilen zu suchen. Das wird nicht einfach, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich immer zuletzt.

Der Film entstand 1972, aber erst 1979 wurde er in Deutschland veröffentlicht. Soweit es meine Recherchen zugelassen haben, wurde er nur durch die Landesbildstellen der Bundesländer vertrieben und sollte im sozialpädagogischen Bereich eingesetzt werden.

Hauptdarstellerin Stine Sylvestersen arbeitet heute als Moderatorin beim dänischen TV-Sender TV Lorry (ehemals TV2 / TV Lorry).

An dieser Stelle erfolgt eigentlich immer der Hinweis, ob und auf welchen Medium der Film erhältlich ist. Tja, und da muss ich leider sagen, dass er nur (!) auf 16mm Film erhältlich ist. Es gibt ihn noch nicht mal auf VHS Video. Und es ist gut möglich, dass dieser Film noch nie im Fernsehen zu sehen war. Eintragungen auf den bekanntesten Filmnetzseiten gibt es nicht. Man muss davon ausgehen, dass „Stine“ nie auf DVD, geschweige denn auf BluRay erscheinen wird. Ich persönlich finde das sehr bedauerlich, denn verdient hätte dieser Film  ein solches Release allemal…

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