Superman – Der Film (1978)

Superman oder “Retrotrash vom Allerfeinsten und Vorreiter von heute”

Natürlich kann man vieles negative an diesen Film finden: die Simplizität der Geschichte, den eventuell vorhandenen Pathos, die (heute) billig wirkenden Effekte, die dünne Charakterisierung, das einfache „Gut-gegen-Böse“-Drehbuch und die Lächerlichkeit des Gesagten. Aber zum Teufel damit. In der heutigen Zeit, wo es von Superheldenfilmen nur so wimmelt, kann man diesen Film nicht zählen. Er kam zu einer Zeit heraus, wo es zwar Helden im Kino (und Comic) gab und die noch so heroisch wirkten, aber die waren alle und zwar ausnahmslos (natürlich nur verglichen im Genre) platt in der Charakterzeichnung und simpel. Aber sie haben funktioniert.

Man brauchte keine große tiefenpsychologische Inneneinsicht eines Helden und seiner Zerrütbarkeit. Das war egal. Darum ging es nicht. Es ging in diesen Filmen über das allgegenwärtige Thema Gut gegen Böse und was das überhaupt ist. Schwarz/Weiß- Zeichnung war hier das Ausschlaggebende. Und auch wenn das selbstredend nicht so ist in der Realität so bildete es dennoch einen moralischen Grundsatz: Sei ein guter Mensch und die Welt wird gut. Der kantsche Imperativ im 70er Jahre Heldenfilm fand seinen Einzug. Und warum auch nicht? Warum alles so kompliziert machen wie heutige Heldenfilme? Es gab auch damals kontroverse „Helden“, wie z.B. „Dirty Harry“ oder „Serpico“ und auch Travis Bickle. Aber dieser ist im Fantasygenre beheimatet, und da muss es eben nicht alles kompliziert sein. Klare Strukturen führen manchmal zu klaren Aussagen. Und das bietet dieser Film. Durch seine Einfachheit der Moral kann der Film sich genau darauf beziehen was er sein will: ein Unterhaltungsfilm ohne große Kopfanstrengungen und macht dennoch Spaß. Und das liegt an zwei Faktoren. Zum Einen der wundervolle Charme der Bilder. Der 70er Stil kommt hier sehr gut zur Geltung. Pralle Farben, kuriose Szenen, pompös-geniale Musik von John Williams.

Und zum Anderen an den wirklich gut agierenden Schauspielern. Reeve als Unbekannter macht eine neue Heldenfigur, an den sich bis heute Helden messen. Ned Beatty als trotteliger Handlanger ist ein Sidekick wie er im Buche steht. Und Gene Hackman ist Lex Luthor. Punkt. Keine große Vergangenheit (warum auch), keine große Erklärung. Hackman bietet einen Bösewicht, der die Welt mit einem Lächeln untergehen lassen will und macht das noch mit viel Selbstironie. Und genau das macht ausserdem den Film aus: das Spiel mit der Ironie. Sei es gewollt oder ungewollt bei Donner. Humor hat der Film. Und sei es auch nur wegen der Unlogik des Gezeigten. Aber das ist ein Fantasyfilm und nichts weiteres. Da zählt keine Logik. Da zählt das Gezeigte. Und das war für die Zeit neu und innovativ. Und hält bis heute an. Der gesamte Aufbau und seine Machart prägten Comicverfilmungen bis in die Neuzeit. Und dafür danke ich Donner und Konsorten.
R.I.P. Christopher. Du lebst weiter. Live long and prosper….Moment…falscher Film.