The Killing Fields (1984)

Inhalt:

Erzählt wird in THE KILLING FIELDS die durchaus wahre Geschichte des US-Journalisten Sidney Shamberg (Sam Waterson) und seinen kambodschanischen Kollegen Dith Pran (Haing S. Ngor) während der Zeit der Herrschaft der roten Khmer zwischen 1975 – 1979. Kurz vor der Eroberung von Phnom Penh durch die roten Khmer schafft es Pran seine Familie ins Ausland zu schaffen. Shamberg gelingt die Flucht in die französische Botschaft, während Pran zurückbleiben muss. Der Film verfolgt nun die Grauen dieses Terrors anhand des Überlebens von Pran bis zu seiner Erlösung.

 

Filmisches Feedback:

Einer der eindringlichsten Filmdebüts aller Zeiten

Der Krieg in seiner Perversion kommt in Spielfilmen immer wieder vor. Krieg ist ein Sinnbild menschlicher Tragödie und ethischer Verachtungen menschlicher Werte. Krieg ist hässlich, Krieg ist nicht darstellbar. Wie so häufig ich dies auch betone, so sehr stehe ich dazu. Da man die hässliche Fratze des Krieges nicht zeigen kann ohne zu differenzieren. Es gibt keine objektive Darstellung. Alles was gezeigt wird in solch einen Film muss berühren um aufzuzeigen was falsch ist. Krieg kommt in Filmen mannigfaltig vor. Sei es als posttraumatische Erfahrung, grad erlebtes Schlachfest, billige C-Action, politische Auseinandersetzung oder was auch immer. Und häufig sind es die “populären” Kriege die man sieht: zweiter WK oder der Vietnamkrieg waren es früher. Jetzt sind es die Irakkriege oder ähnliches. Wo bleiben die vergessenen Untaten?

Kinodebütant Roland Joffe (THE MISSION) zeigt hier wohl das erste Mal auf großer Leinwand das Grauen der roten Khmer in Kambodscha. Und das mit einer Intensität die gewaltig daherkommt. Und wie schafft er das? Durch eine intensive Zurückhaltung des Gezeigten. Wenn Haing S. Ngors Figur in den KILLING FIELDS  umherwandert, hinfällt, voller Schlamm bedeckt, menschliches Gebein um ihn herum, dann zeigt die Verharrung auf sein Gesicht die Entmenschlichung des humanen Tuns. Es sind diese Bilder die zählen, die einem im Hirn bleiben. Und sie sind zurückhaltend gedreht. Nur Bilder und die wunderbare Musik von Mike Oldfield.

Kameramann Chris Menges (Oscar für diesen Film und einen weiteren später für die zweite Zusammenarbeit von Joffe/Menges für THE MISSION)  schuf fotorealistische Bilder die, obwohl sie eher im dokumentarischen Stil gehalten wurden, den Zuschauer brutal berühren. Es geht hier in diesen Film, der es wie wenige schafft eine realistische Darstellung des Grauens zu zeigen, um das Martyrium einer vergessenen Welt. Warum tat niemand dort etwas? Gab es zu wenig Rohstoffe um die es sich lohnte zu kämpfen? Sind ein Land und seine Menschen wertlos nur weil es nicht kapitalistisch genug ist und rentabel? Ist es der westlichen Welt (oder welch auch immer) egal wenn Menschen krepieren nur weil diese Menschen nicht laut genug aufschreien können?

Dieser Film, der voller Humanismus steckt, stellt unangenehme Fragen ohne aufdringlich zu sein. Ein wahres Schauspielfeuerwerk wird dort abgefeuert. Angefangen von Sam Waterson als Sidney Shamberg und vor allem Haing S. Ngor (der vorher keinerlei Schauspielerfahrung hatte) sind wahre Offenbarungen. Haing S. Ngor, der leider 1996 von einer Gang erschossen wurde, ist selbst Überlebender der “Killing Fields” gewesen und sah das Grauen am eigenem Leib, bzw. seiner Frau. Wer näheres wissen möchte dem sei die Lektüre “A Camcodian Odyssey” von eben jenem ans Herz gelegt. Auch die anderen Darsteller wissen nicht nur zu überzeugen, sie leben die Rollen. John Malkovich (BEING JOHN MALKOVICH) oder Julian Sands (ARACHNOPHOBIA)  präsentieren sich in früher Bestform. Und Craig T. Nelson (POLTERGEIST) ist eh über jeden Zweifel erhaben. Und so bleibt eine bittere Erkenntnis: Nur wer die Hölle, weiß wie sie aussieht. Und “Killing Fields” kommt dem verdammt nah.