The Texas Chainsaw Massacre 2 (1986)

USA 1986
mit Dennis Hopper, Caroline Williams, Bill Moseley…
Drehbuch: L.M. Kit Carson
Regie: Tobe Hooper
Länge: 96 Minuten
FSK: ab 18 Jahren

Lieutenant “Lefty” Enright sucht seit den schrecklichen Ereignissen damals diejenigen, die die Kinder seines Bruders auf dem Gewissen haben. Eine DJane namens Vantia “Stretch” Block wird schliesslich durch einen beängstigenden Anruf Zeuge, wie zwei Jugendliche in ihrem Auto verunglücken, nachdem sie von Unbekannten verfolgt und mit einer Kettensäge angegriffen wurden. Lieutenant Enright übernimmt den Fall und hat einen bösen Verdacht, als er die Spuren der Kettensäge auf dem Autowrack entdeckt. L.G., ein Kollege von “Stretch”, hat den ganzen Vorfall auf Tonband mitgeschnitten und sie will nun “Lefty” anbieten, ihm bei der Suche nach den Mördern zu helfen. Er schlägt ihr deshalb vor, dass sie das Band im Radio spielen soll, um die Täter aus ihrem Versteck zu locken. Diese lassen sich schliesslich auch in der Radiostation blicken, was böse Folgen nach sich zieht. Jeder, der bisher von ihren Taten erfahren hat, wurde nämlich zu Chili verarbeitet…

1974 schuf Tobe Hooper mit dem „Texas Chainsaw Massacre“ einen der intensivsten und meistdiskutierten Horror-Filme aller Zeiten. 12 Jahre später schien es, laut Hooper, Zeit für eine Fortsetzung zu sein. Unter der Schirmherrschaft der berüchtigten Produktionsfirma „Cannon-Films“ setzte der Regisseur sein Vorhaben in die Tat um und schuf ein Sequel, welches sich im Ton gänzlich von seinem Vorgänger unterscheidet. Der Ursprungs-Terror transformiert sich hier in eine schwarzhumorige, wilde und morbide Freakshow, in der sich Gore-Effekte und Skurrilität die Klinke in die Hand geben.

Tobe Hooper hat keinen leichten Stand in der Filmbranche. Viele bewerten seine Arbieten als minderwertig und sprechen dem Regisseur gar jegliches Talent ab, der in den Augen vieler Filmkritiker mit „Texas Chainsaw Massacre“ lediglich eine Art „Glückstreffer“ landete. Doch Hooper kann mehr. Filme, wie „Eaten Alive“, „Invasion from Mars“ oder auch „The Fun House“ sind geringschätzend betrachtete Filme, die mehr Qualität besitzen, als ihnen zugesprochen wird. So auch „Texas Chainsaw Massacre 2“, der 1986 unter „Cannon-Films“ entstand. Ein weiteres eigensinniges Werk in Hoopers Karriere, welches von den meisten falsch verstanden wird. In dem berühmten Vorgänger erschuf der, in Texas geborene, Filmemacher eine einzigartige Terror-Atmosphäre, die ihres gleichen sucht. Für mich gehört das „Blutgericht in Texas“, so der deutsche Titel, zu jenen Horrorfilmen, die sich tief in dich hineinfressen. Man glaubt bei diesem Werk mehr gesehen zu haben, als es einem wirklich präsentiert. Das ist vor allem der Kamera, dem Look und dem Aufbau geschuldet. Hooper baut Figuren auf und schickt sie in eine, kaum greifbare, Hölle menschlicher Abgründe. 12 Jahre später entschied er sich ein Sequel zu drehen, welches gänzlich anders werden sollte. „Texas Chainsaw Massacre 2“ ist mehr eine schwarze Komödie, mit Hang zur Satire, als ein ernster Horror-Schocker. Zwar spart Hooper auch hier nicht mit Grausamkeiten, sogar erheblich expliziter als im 1974er Original, jedoch überhöht er die Szenerie mit purer Absicht und inszeniert eine wilde, durchgeknallte und schwarzhumorige Achterbahnfahrt. Die beginnt schon mit der Zeichnung unserer, ja bereits bekannten Antagonisten, dem degenerierten Kannibalen-Klan um unseren überzeugten Masken-Träger Leatherface. Diese sind in der Fortsetzung zwar immer noch durchgeknallte und mordlustige Irre, jedoch inszeniert Hooper diese als schrullige Sippe und gibt sie immer wieder der Lächerlichkeit preis. So widmet sich der Film in der zweiten Hälfte auffällig Lange dem Gezanke der Killer und füttert sie mit böser Situationskomik und schwarzhumorigen One-Linern. Auch, dass sie mittlerweile als Catering-Firma tätig sind und ihr hausgemachtes „Chilli“ sogar den ersten Preis in einem Wettbewerb gewinnt, bestätigt die bereits angesprochene Tonalität des Films nur noch mehr.

Handlungstechnisch ist der Film wenig originell, eine klassische Rache-Story, aber Tobe Hooper kreiert aus dieser einfachen Prämisse einen wilden Ritt, der einfach unterhaltsam ist. Zwar bringt der Horrorfilm nicht den Effekt rüber, den das Original ausgestrahlt hatte aber man sollte sich im Klaren sein, dass dies hier auch nicht beabsichtigt war. Wenn der, schon fast mumifizierte, Großvater den Hammer nicht mehr halten kann, dann ist das zwar morbide aber dennoch lustig anzusehen. Hier gibt der Film alles und fährt einige deftige Splatter-Effekte auf, die von niemand geringerem als Tom Savini kreiert wurden. Gerade das Finale ist so verrückt, dass es niemand mehr ernst nehmen kann. Hier parodiert sich Tobe Hooper praktisch selbst und hat dabei extrem viel Spaß, was man schon am offiziellen Poster sieht, in dem die Leatherface-Familie in der Pose des „Breakfast Club“ verharrt. Das sind die Punkte, die anno 1986 niemand verstanden hat, weshalb „Texas Chainsaw Massacre 2“ böse abgestraft wurde. Nicht nur vor Kritikern, auch Zuschauer waren auf diesen Wahnsinn nicht vorbereitet. Das zeigt aber wie ambivalent Hooper ist, hat er doch mit „Lifeforce“ ebenfalls gezeigt, dass er Freude am Irrsinn hat. Mit Menahem Golan und Yoram Globus hatte er wahrscheinlich die passenden Produzenten gefunden, die seine Visionen mit großzügigen Budgets ausstatteten. Die Akteure im Film gehen zum Großteil in dieser Freakshow voll auf. Caroline Williams schreit um ihr Leben, bleibt aber etwas blass, während Dennis Hopper sich der Hysterie voll anpasst. Als Sprüche klopfender Cop mit Drang zur Vergeltung hat er einige coole Szenen und wenn er zum Schluss, mit Kettensägen bewaffnet, zum Angriff bläst, ist das schon ziemlich cool. Unser degenerierter Killer-Klan ist hingegen die pure Irrnis. Brutal, sadistisch aber so komisch skurril, dass man nie weiß, was als nächstes passiert. Leatherface, gespielt von Bill Johnson, schnauft, seufzt und schreit als gäbe es kein Morgen mehr und darf sogar Gefühle zeigen, während Bill Moseley absolut aufdreht und eine herrliche Performance abliefert. Nett ist auch Jim Siedow, der schon im ersten Teil dabei war. Er verkörpert, auf witzige und abstoßende Weise den Familienvater. Nun ist der Film auch in Deutschland ungekürzt zu begutachten, was begrüßenswert ist. Man sollte diesem Film mal wieder sichten und ihn, statt einer ernsthaften Fortsetzung, als Variation sehen.

„Texas Chainsaw Massacre 2“ ist brutal, skurril, hysterisch und komisch. Tobe Hooper entfesselt den Irrsinn zum zweiten Mal, nur dieses Mal ganz anders. Statt hartem Horror, gibt es hier Slapstick, schwarzen Humor und handfeste Gore-Effekte mit gut aufgelegten Darstellern. Erfrischend!