Todesstille (1989)

Ein tragischer Autounfall, bei dem ihr gemeinsamer kleiner Sohn ums Leben kommt, stürzt das Ehepaar John und Rae Ingram (Sam Neill und Nicole Kidman) in eine seelische Krise. Vor allem Rae, die mit im Wagen saß und schwer verletzt wurde, kommt kaum über das Unglück hinweg. Um Abstand zu gewinnen und Ruhe zu finden, unternehmen die beiden eine ausgedehnte Reise mit ihrer Segeljacht. Nach rund einem Monat auf See stoßen sie inmitten des Pazifischen Ozeans auf ein führerloses Segelschiff. Sie nehmen den einzigen überlebenden Passagier, einen Mann namens Hughie Warriner (Billy Zane), an Bord. Dieser erzählt ihnen, dass die Mannschaft an einer Lebensmittelvergiftung gestorben sei. John, ein erfahrener Marine-Offizier, hat Zweifel an der Story. Vergeblich versucht er den verstörten Hughie zu überreden, auf das sinkende Schiff zurückzukehren und nach weiteren Überlebenden zu suchen. Heimlich geht John alleine an Bord des Schoners. Dort entdeckt er, dass die gesamte Besatzung ermordet wurde. Als Täter kommt nur Hughie in Frage. Doch bevor John auf seine Jacht zurückkehren kann, bringt dieser die ahnungslose Rae in seine Gewalt und lässt John auf dem langsam sinkenden Schiff zurück…

 

Die folgende Rezension enthält Spoiler!

 

Todesstille bietet recht gute Thriller-Unterhaltung, die nicht unbedingt immer logisch ist, aber darüber sollte man hinwegsehen können, vor allem, wenn man sich einfach nur berieseln lassen will. Zu sehen in Todesstille sind Sam Neill („Jurassic Park“) und Nicole Kidman (Ex-Gattin von Tom Cruise – das ist kein Film! ^^), lange bevor sie durch US-Produktionen populär wurden. Als Widersacher ist Billy Zane zu sehen, der spätestens seit „Titanic“ von James Cameron aus dem Jahr 1997 jeden Filmkenner bekannte sein sollte. Aber auch schon vorher glänzte er z.B. in „Ritter der Dämonen“ und anderen amerikanischen Produktionen. Inszeniert wurde das Ganze von Phillip Noyce, der mit diesem Film seinen Weg nach Hollywood ebnen konnte. Zuvor drehte er vorzugsweise fürs Fernsehen einige Episoden diverser Serien (z.B. „Hitchhiker“). Sein letzter Hit war „Salt“ mit Angelina „ich habe keine Möpse mehr“ Jolie. (Ich weiß, diese Bemerkung war unnötig, aber ich konnte sie mir nicht verkneifen.) Die Inszenierung ist Handwerklich gut; die drei Hauptdarsteller überzeugen und legen eine gute Vorstellung hin (und haben sich bestimmt auch mal anständig wehgetan beim Dreh).

 

Um in dieser kurzen Rezension auf den eigentlichen Punkt zu kommen, muss ich vorher weit ausholen und einen weiten Bogen beschreiben. ^^ Todesstille kannte ich nur aus dem Fernsehen, er lief zum ersten Mal im ZDF – vor über zwanzig Jahren im Montagskino. In der Zwischenzeit wurde dieser Film unzählige Male wiederholt, auch auf anderen Sendern, und vor kurzem erst lief er mal wieder im TV – Nachts in der ARD. Laut einer sehr populären Internetseite, die sich mit Filmzensur beschäftigt 😉 , soll Todesstille an einigen Stellen geschnitten worden sein, damit man ihn ab 16 Jahren freigeben konnte. Aber musste er tatsächlich für diese Freigabe geschnitten werden, oder hat der Verleih vorsorglich einige Szenen entfernt, um auf jeden Fall bei der ersten Prüfung die 16er Freigabe zu bekommen? Wenn man sich den Schnittbericht anguckt, kann man das schon vermuten, denn die Eingriffe ergeben absolut keinen Sinn. Es wurden Szenen entfernt, die den Film an manchen Stellen aus den Zusammenhang reißen und man als Zuschauer eventuell sogar geneigt ist, zu behaupten, dass der ganze Film vollkommen unlogisch ist. Zum Beispiel wird bei einem Gerangel zwischen Nicole Kidman und Billy Zane die Funkanlage des Schiffes zerstört. Das ist aber in der deutschen Fassung nicht zu sehen, und man ist als Zuschauer sehr wahrscheinlich dazu geneigt, sich zu fragen, warum denn Nicole Kidman keinen Notruf sendet, wenn sie doch auch in machen Szenen alleine und unbeobachtet ist und quasi die Gelegenheit dazu hat? Tja, warum das so ist, sieht man nur in der Originalfassung. Und dieses kleine, aber dennoch – zumindest in meinen Augen – sehr wichtige Detail ist nicht unbedingt ein Grund, entfernt zu werden und würde auch kein Kriterium bei der FSK sein, um eine 16er Freigabe zu bekommen. Das selbe gilt auch für das Finale, wo Billy Zane ins Jenseits befördert wird. Diese Darstellung von Gewalt hat man schon vorher in anderen Thrillern und Actionfilmen gesehen und hatte von der FSK die gleiche, oder vielleicht sogar eine 12er Freigabe bekommen. Also liegt der Verdacht nahe, dass man beim Filmvertrieb Warner Bros. auf Nummer sicher gehen wollte. Ich finde, dass das eine schwachsinnige Entscheidung war.

 

Um also in den Genuss zu kommen, Todesstille unzensiert sehen zu können, muss man auf eine Import-DVD aus England, Italien oder Frankreich zurückgreifen, denn diese hat erstaunlicherweise deutsche Untertitel, aber leider keine deutsche Tonspur. Aber wahre Filmfans gucken fremdsprachige Filme eh nur im Originalton. 🙂 Erwähnenswert ist auch, dass Todesstille bei den Import-DVDs im original Breitbildformat erhältlich ist; die deutsche DVD hat nur ein aufgezoomtes 16:9 Vollbild. Und so wurde der Film auch an die Sender ausgehändigt, die ihn gezeigt haben, manchmal wurde er sogar auf 4:3 Vollbild aufgezoomt, wodurch noch mehr Bildinformationen abhanden kamen. Und außerdem ist die Import-DVD – zumindest zur Zeit – wesentlich günstiger als die deutsche DVD, denn diese scheint schon Out of Print zu sein.

 

Bevor ich zum Üblichen komme und diese Rezension beende, möchte ich nochmal erwähnen, dass ich mit dieser Rezension nicht unbedingt auf die Qualität des Films Todesstille hinweisen wollte, sondern nur die Gelegenheit nutzen und euch darauf aufmerksam machen wollte, dass es diesen Film gibt und das er es wert ist, hier bei retro-film.info erwähnt zu werden. Und das Ganze wollte ich mit Hilfe der Zensurmaßnahmen machen, die dieser Film hierzulande erdulden musste. Verdient hat Todesstille diese Maßnahmen natürlich nicht. (Das hat natürlich kein einziger Film auf der Welt!)

 

Also, um es kurz zu machen: Todesstille = guter Film = seht ihn euch an, wenn ihr ihn noch nicht kennt, oder seht ihn euch einfach mal wieder an, wenn ihr ihn doch schon kennen solltet (was sehr wahrscheinlich der Fall ist ^^). 🙂

 

Todesstille gibt es als VHS und DVD. Hierzulande ist der Film auf beiden Medien geschnitten. Der wahre Kenner gibt natürlich der Import-DVD aus England, Italien oder Frankreich mit deutschen Untertitel den Vorrang. Hin und wieder läuft er auch im TV, dann aber wieder in der bescheuert geschnittenen Fassung, was auch beweist, dass dieser Film vom Rechteinhaber so vertrieben wird und die Sender nichts für diese Schnitte können.

 

Fazit: In Todesstille wird nichts neu erfunden, aber für einen netten, kurzweiligen Filmabend bei Bier und Brezel reicht er vollkommen aus.

 

Ich gebe Todesstille sieben Sterne

 

PS: Ich trinke kein Bier, aber die Brezel nehm’ ich gern. ^^

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