Töte Alle und kehr allein zurück (1968)

Gegen Ende des Bürgerkrieges erhalten Clyde McKay und fünf Verurteilte vom Südstaaten-Hauptmann Lynch den Auftrag, bei den Nordstaaten in ein Fort einzudringen und die dortigen Goldvorräte zu entwenden. Die Truppe schlägt sich durch die feindlichen Linien und ahnt nicht, dass McKay die zusätzliche Order hat, alle Mitwissenden nach Erledigung zu töten. Die Aufgabe gelingt und das Gold wird erbeutet; nun muss sich die Gruppe mit der persönlichen Gier jedes Einzelnen und mit dem verräterischen Lynch auseinandersetzen…

 

Wenn man raue Kerle sehen will, dann ist ein Italo-Western nie verkehrt. Heute soll es mal um einen etwas unbekannten Vertreter dieses Genres gehen. Der 1968 entstandene „Töte Alle und kehr allein zurück“ ist da die perfekte Wahl. Der Action lastige Streifen von Euro-Kult Filmer Enzo G. Castellari, besticht nicht nur durch eine nette Story und Spannung, sondern auch durch ordentlich Tempo und rasanten Action-Szenen, die man in dieser Form und Menge sonst weniger in diesen Filmen bewundern kann.

Ich habe mich wirklich auf diesen Film gefreut, da es ein Italo-Western ist, den ich noch nie gesehen habe aber immer sehen wollte, allein schon weil Enzo G. Castellari sich für die Regie verantwortlich zeichnet. Der Sohn von Marino Girolami, u.a. „Zombie Holocaust“, gehört zu den profiliertesten Regisseuren des italienischen Genre-Kinos, und zusammen mit Umberto Lenzi zu den letzten Lebenden. Seine Filmographie zieren einige Granaten: „Tote Zeugen singen nicht“, „Dschungel Django“, „The Riffs – Die Gewalt sind Wir“, „Ein Haufen verwegener Hund“ und natürlich sein Meisterwerk „Keoma“ mit Franco Nero. Castellari inszenierte immer gute und mitreißende Unterhaltungsfilme in allen erdenklichen Genres. Zu Beginn seiner Karriere eben auch Western, die in den 60ern, gerade aus Italien, sehr beliebt waren. „Töte Alle und kehr allein zurück“ war sein sechster Western und auch seine sechste Regiearbeit und bei diesem Werk geht der Filmemacher mit Vorliebe für Action ordentlich zur Sache. Hier reiht sich eine dynamische Szene an die andere. Verfolgungsjagden, Schlägereien, Shootouts, Stunts und Explosionen geben sich hier die Klinke in die Hand. Wo bei den Genre-Koryphäen Leone, Corbucci und Sollima eher Ruhe und innere Spannung an der Tagesordnung sind, pfeift Castellari auf psychologische Aufarbeitungen und ausgefeilte Dramaturgie, denn hier soll die Post abgehen und das tut sie. Egal ob der Gold Diebstahl, der Ausbruch aus dem Fort, die Kneipenschlägerei oder das Finale, bei diesem Western wird mit der groben Kelle serviert, obwohl Castellari wirklich Gespür für gute Choreographien beweist. Alles ist sehr gut eingefangen und perfekt in Szene gesetzt. Der gute Enzo wusste damals schon was gut aussieht, immerhin ist er erklärter Peckinpah-Fan. Doch auch die Story wird nicht vernachlässigt.

Der Dreh- und Angelpunkt ist ein Haufen Gold, den eine Gruppe Outlaws für einen Südstaatengeneral, von den Nordstaatlern stehlen soll, doch wie üblich setzt die Habgier ein und keiner will teilen und auch der General spielt nicht mit ehrlichen Karten. Obwohl der Fokus des Films klar auf Krawall und Schauwerten liegt, plätschert die Geschichte nicht vor sich hin, denn vieles wird einfach im Vorbeigehen erzählt, was nicht negativ gemeint ist. Hier wird nicht zu viel ausgewalzt, sondern einfach das Nötigste dargelegt, ohne sich mit Kleinigkeiten auszubremsen und am Ende wirkt trotzdem alles relativ rund. Das ist eine Kunst, bei der nicht jeder behaupten kann, dass er sie beherrscht, was auch der Grund ist, dass mir nie langweilig wurde. Es gibt auch ruhige Dialogszenen, doch diese reißen den Zuschauer nie aus dem Geschehen, sondern verdeutlichen nur gewisse Zusammenhänge zwischen den einzelnen Charakteren, und bei denen liegt auch etwas der Schwachpunkt. Abgesehen von unserem Leading Man Chuck Connors als Clyde McKay und dem Antagonisten Captain Lynch, gespielt von Western-Darsteller Frank Wolff, bleiben die restlichen Figuren recht farblos. Zum Beispiel die Figur des Kid ist interessant, jedoch wird nichts aus ihr gemacht, da der Fokus auf den beiden Hauptcharakteren liegt und der Rest der Lauflänge für die Action verwendet wird. Übrigens ist die Länge von 96 Minuten ideal, nicht zu lang und auch nicht zu kurz, es muss sich Alles Epen-Länge besitzen. Die Darsteller agieren solide, gerade Chuck Connors macht viel Spaß als gerissener Cowboy und Wolff zeigt auch mal, dass er ziemlich diabolisch sein kann. Klar kann man den Film nicht mit „Zwei glorreiche Halunken“, „Django“ oder „Der Gehetzte der Sierra Madre“ vergleichen, in diesem Zusammenhang ist „Töte Alle und kehr allein zurück“ eindeutig als B-Movie zu bezeichnen, jedoch hat Castellari auch einen anderen Ansatz, denn hier geht es um den Unterhaltungswert, und der ist bei dem Film sehr hoch. Was ein wenig abstinkt ist der Soundtrack, der wie viele Scores zu dieser Zeit, klar bei Morricone abgekupfert wurde. Aber dennoch ist er hörbar.

Enzo G. Castellaris Action-Western „Töte Alle und kehr allein zurück“, macht ziemlich viel Spaß und ist ein äußerst temporeicher, gut gemachter, sowie teilweise auch etwas ironischer Spaghetti-Reißer der 60er Jahre. Kein Meisterwerk, wie die Filme der Sergios, jedoch ein perfekter Film für zwischendurch, wenn man staubige Wüsten, harte Cowboys und rauchende Colts mag.