Uhrwerk Orange (1972)

Inhalt:

Alex (Malcolm McDowell) ist der Anführer einer Jugendgang, die sich in einer nicht näher bestimmten Zukunft in London die Zeit mit Gewalt, Einbrüchen und Vergewaltigungen vertreibt. Nach dem letzten Einbruch wird Alex von einer rivalisierenden Gang  zusammengeschlagen und von der Polizei festgenommen. Nach zwei Jahren im Gefängnis nimmt er an einer 14-tägigen Therapie teil. Diese macht ihn vollkommen willenlos. Er wird entlassen und trifft auf seine ehemaligen Gangmitglieder. Wird er es schaffen sich zu integrieren?

Filmisches Feedback:

Makabres gesellschaftliches Werk ohne Vergleich

Man kann bei einen Stanley Kubrick-Film nicht sagen: „Das ist ein typischer Stanley Kubrick-Film.“ Denn das geht nicht. Sein Können und sein Einfluss auf Filmemacher sind vornehmlich dadurch begründet, dass er eben nicht typisch war. Seine Wandelbarkeit und die Nichteinordnung seiner Filme in Kategorien waren sein Markenzeichen. Zum Beispiel „Shining“. Auf der einen Seite könnte man sagen, dass der Film ein (Psycho-) Horrorfilm ist. Oder doch nur ein Alkoholikerdrama? Oder ein Familiendrama? Fällt schwer. So kann man, und das ist das schöne bei ihm, eben keine grundsätzliche Kategorisierung vornehmen, wie beispielsweise Peter Jackson, dessen Filme allesamt im Fantasygenre einzuordnen sind. Auch seine vornehmlich „nicht“-fantastischen Filme.

Wenn man schon vielleicht von einem „typischen“ Kubrickfilm sprechen sollte, dann kann man das am Ehesten auf der technischen Seite betrachten. Und da bildet der Film hier keine Ausnahme: Lange, quälende Einstellungen (mit verstörenden Off-Kommentaren), ebenso lange Kamerafahrten, behutsame Schnitte, Zeitlupe, die Benutzung klassischer Musik als filmisches Transportmittel und eine sehr vielschichtige Geschichte. Kubrick zeigt eine sterile Welt, die äußerlich schön erscheint, aber innerlich durch Gewalt und Sexualität verrottet ist. Vor allen spielt hier die Sexualität eine große Rolle. Sie wird hier als Bestandteil einer kaputten Welt gezeigt, die sich selbst nicht zu helfen weiß, außer mit der Verabschiedung menschlicher Existenz. Die Sexualität, bzw. ihre (hier gezeigte) pervertierte Ausführung wird zum Verhängnis der Massen und zum anschließenden existenziellen Tod des Menschen. Durch seine sehr kontrastreiche Darstellung einer „sauberen“ Welt zeigt Kubrick hier die Willenlosigkeit des Menschen gegenüber der Gesellschaft, wobei er vor allem die Entscheidungsfreiheit des Menschen als oberstes Gebot setzt, das geschützt werden sollte.

Ein ehrlicher Ansatz, der sich allerdings manchmal in einer Überflutung von Bildern verläuft. Auch kann man den Film einen makabren Humor nicht abstreiten. Da wird zu „Singin in the Rain“ vergewaltigt, oder zu Beethovens 9er geschlagen. Gleichzeitig ist er auch eine Satire auf die Gesellschaft in der wir leben; denn sie preist einen Gewalttäter, der ihr vorher „weh“ getan hat. Alex steht hier als Symbolfigur für jeden von uns. Jeder kann so sein wie Alex, oder ist es, aber man muss seine zweite „Identität“ verstecken um gesellschaftlich nicht zu sterben.

Kubrick spielt hier mit dem Zuschauer. Er spricht ihn direkt an, da er genau das miterlebt was Alex erlebt. Keine Nebengeschichte, keine Nebenfigur die Alex nicht auch erlebt. Dadurch konzentriert man sich auf die Hauptfigur, also quasi auf sich selber. „Clockwork Orange“ ist ein makabres Theaterspiel der Gefühle und wird noch Generationen von Filmschaffenden zur Bewunderung bringen.