Unheimliche Begegnung der dritten Art (1977)

Inhalt:

Roy Neary (Richard Dreyfuss), ein Ingenieur bekommt den Auftrag seltsamen Erscheinungen und Stromausfällen zu untersuchen. Auch der Wissenschaftler Lacombe (Francois Truffaut) untersucht seltsame Ereignisse um den gesamten Globus. Da taucht mitten in der Wüste ein Schiff auf und ganze Flugzeuggeschwader erscheinen ohne Besatzung wieder.  Eines Nachts wird Neary selbst von Himmelsphänomenen überrascht. Seitdem hat er Visionen, die ihn zu einem Tafelberg irgendwo in Wyoming führen. Als er und viele weitere dort eintreffen, u.a. die Mutter Gillian (Melinda Dillon) deren Sohn Garry (Cary Guffey) anscheinend von irgendetwas entführt wurde, erleben sie eine „unheimliche Begegnung der dritten Art“.

Filmisches Feedback.

Einer der ganz großen Klassiker

Und ich gehe mit solchen Formulierungen vorsichtig um. Aber dieser Film, hat nicht nur auf erzählerischer Basis viel für den SF-Film getan. Auch hat er einen grundphilosophischen Aspekt in das Genre eingefügt, welches so selten zu finden ist. Spielberg schuf mit diesem Film eine stimmungsgeladene Szenerie. Hier hat er alle Elemente seiner Art der Inszenierung perfektioniert. Sei es die Sicht aus dem Blickwinkel von Kindern, die Kamera und der Lichteinfall (so z.B. die Beleuchtung beim „Besuch“ der Außerirdischen bei der Mutter und ihren Kind oder der Einsatz der pass genauen exzellenten Musik von John Williams).

Spielberg zeigte hier alle Facetten seines Könnens. Dieser Film ist der Pfeiler des positiven Ufo-Films. Er nimmt viele mysteriöse Aspekte der vergangenen Jahrzehnte bezüglich der UFO-Forschung vorweg.  So z.B. das Wiederauftauchen der verschwundenen Menschen zum Schluss, wo vieles auf realistischen Ereignissen beruhte oder verschiedene Entführungsfälle oder Begegnungen von Menschen mit Lichtern nach J. Allan Hynek. Und zeigt diese in einen Film, der neben einer unheilvollen Szenerie und einer exzellent gestalteten angst bringenden Atmosphäre, auf mannigfaltige Weise.

Er spielt gekonnt auf der Klaviatur der Erwartungen. 5 Jahre vor seinen Lieblingsaußerirdischen E.T.  schuf er hier eine positive Hoffnung des Treffens von außerirdischem Leben. Und dies in Reinkultur. Die Kamera des Ungarn Vilmos Zigmond ist eindrucksvoll. Wie er mit Lichteffekten und Schatten spielt um diese letzten Endes wirkungsvoll auf den Zuschauer niederprasseln zu lassen ist einzigartig und nie wieder erreicht. Für diesen Film wurde er auch mit den Oscar für die beste Kamera ausgezeichnet. Viele Szenen der Second Unit wurden von ebenfalls namhaften Kameramännern gedreht. So John Alonzo (CHINATOWN, SCARFACE), William A. Fraker (BULLIT, WARGAMES), Laslo Kovacs (EASY RIDER, GHOSTBUSTERS) und Douglas Slocombe (TANZ DER VAMPIRE, INDIANA JONES – JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES).

 Ich sprach von philosophischem Aspekt. Das zeigt dieser Film auf einer massentauglichen, unterhaltsamen Weise wie es nur Spielberg konnte. Francois Truffaut wirkte hier mit. Seine Zusage kam, weil er diesen Film nicht als SF-Film sah, sondern als Film über Kommunikation. Dies ist ein allgegenwärtiges Thema für Filme von Truffaut. Und er hat recht. Es geht hier zwar vordergründig um den Kontakt zu Außerirdischen mit Hilfe von Tönen und Lichtzeichen (auch hier einen Dank an John Williams für die Einführung eines unvergleichlichen Themas) auf Basis einer interkulturellen Kommunikation. Es geht aber auch hauptsächlich um den Umgang mit Sprache, Bildsprache, Zeichen als Form der zwischenmenschlichen Beziehung.

 Wie verstehen wir uns? Verstehen wir was der andere sagt? Können wir jemals die Zeichen erkennen? Ist Sprache alles um zu verstehen? Brauchen wir Sprache oder reichen Bilder? Wenn man einfach mal die Sprache aus diesen Film wegdenken würde und sich nur auf Musik, den Ton und die Lichtzeichen achtet wird man feststellen, dass der Film auch ohne Sprache kommuniziert. Es ist ein grandioser Film über Kommunikation. Ganz nebenbei entwirft er durch seine atemberaubenden Effekte (ein großes Lob an einen der „Godfather of SFX „Douglas Trumbull!) einige der beeindrucktesten Szenen die jemals auf Zelluloid gebannt wurden!

Allein die Innenszenen im Raumschiff sind von einer Brillanz wie nur selten. Wäre dieser Film in einen anderen Jahr rausgekommen als KRIEG DER STERNE  ich wäre sicher, er hätte mehr Preise abgeräumt als das SF-Märchen von Lucas! Auch die Schauspieler agieren alle bravourös. Allen voran Richard Dreyfuss. Seine Obsession für das Treffen mit den Außerirdischen ist absolut gut gespielt. Witzigerweise spielte der kleine Junge Cary Guffey ein Jahr später mit Bud Spencer DER GROßE MIT SEINEN AUßERIRDISCHEN KLEINEN und 1980 die Fortsetzung BUDDY HAUT DEN LUKAS.  Aber auch Melinda Dillon oder Bob Balaban sind wunderbar. In Nebenrollen sieht man dann auch noch Lance Henriksen oder Carl Weathers (wenn auch beide eher nichtssagend und kurz). Aber egal.

Dieser Film, der zahlreiche Anspielungen zu der modernen Popkultur hat und selber auch enorm dazu beitrug, wird häufig zitiert in allerlei unterschiedlichen Form.

Dieser Film ist ein Klassiker. Ein hoffnungsvoll stimmender Film mit wunderbaren Szenen und einer positiven Botschaft. Danke Steven.