Niederlande 1988
mit Huub Stapel, Monique van de Ven…
Drehbuch: Dick Maas
Regie: Dick Maas
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Während einer Sightseeing-Tour durch die Grachten von Amsterdam wird die Leiche einer Frau entdeckt. Eric Visser (Huub Stapel), ein junger Polizei-Inspektor, wird mit dem Fall beauftragt. Die ersten Ermittlungen laufen gerade, schon werden weitere Frauen kaltblütig ‚abgeschlachtet‘. Wie es scheint, taucht der Mörder vollkommen überraschend für seine Opfer aus dem Wasser auf. Nachdem Visser die hübsche Laura kennenlernt, ergeben sich plötzlich merkwürdige Verbindungen zu dem gnadenlosen Killer…

Die Niederlande. Unsere oft verspotteten Nachbarn sind nicht nur für Holzschuhe, Tulpen und betäubende Substanzen bekannt, Nein, sie besitzen auch eine interessante Filmlandschaft. Ein Werk, welches zu den erfolgreichsten Produktionen des flachen Staates zählt, ist der 1988 veröffentlichte Thriller „Verfluchtes Amsterdam“ von Dick Maas. Ein Mix aus Polizei-Thriller und Slasher? Aus Holland? Kann das funktionieren? JA, kann es!

Eines gleich vorab: Ich bin überhaupt nicht bewandert, was das holländische Kino angeht. Überhaupt wusste ich nicht, dass Genre-Filme dort überhaupt existieren. Ja klar, Paul Verhoeven ist mir ein Begriff, aber auch nur durch seine in Hollywood entstandenen Filme. Lediglich die Filmreihe über die assoziale „Familie Flodder“ ist in meinem Bewusstsein vorhanden, da ich irgendwann mal einen von diesen Komödien im Fernsehen gesehen habe. Ansonsten ist meine Kenntnis zur holländischen Filmindustrie gleich Null. Erst durch den Podcast der Jungs von „Evil Ed“ wurde ich auf diverse Streifen unserer Landesnachbarn aufmerksam. Einen, den ich nach der Beschreibung sofort sehen wollte, war „Verfluchtes Amsterdam“ oder cooler gesagt, „Amsterdammed“. Eine holländische Version eines, quasi, Giallos klingt irgendwie weird, aber mein Interesse war sofort geweckt. Nach Sichtung war ich zwar nicht überschwänglich begeistert, da der Film nicht unbedingt innovativ für sein Genre ist, dennoch fühlte ich mich prächtig unterhalten. Die Story ist erstmal sehr generisch. Ein, vermutlich wahnsinniger, Serienkiller treibt sein Unwesen und ein, etwas ruppiger, Ermittler ist ihm auf der Spur. Klassischer geht es zwar kaum, jedoch ist die Umsetzung ziemlich cool. Der Killer ist kein Wald- und Wiesenmörder, sondern ein Taucher, der durch die weltbekannten Grachten schwimmt, aus dem Wasser steigt, seine Opfer abschlachtet und wieder im kühlen Nass verschwindet. Dieser Umstand ist irgendwie erfrischend und anders, obwohl es etwas trashy bzw. bizarr anmutet. Dennoch bietet der Film somit einen wunderbaren Schauplatz, denn die Grachten mit ihren endlosen und verwinkelten Wasserstraßen machen optisch durchaus was her und bergen die Möglichkeit für einige originelle Einfälle. Dick Maas zieht seine aus Genre-Versatzstücken zusammengebaute Geschichte gut auf und schafft es Suspense aufzubauen. Gerade die Mord-Szenen sind gut in Szene gesetzt und wissen zu fesseln, obwohl sich der Film mit Gore sehr zurück hält. Gute Kamera, guter Schnitt und die Atmosphäre des nächtlichen Amsterdams erzeugen die richtige Stimmung. Gerade bei der, in diesen Momenten passenden, Musikuntermalung, fühlte ich mich wirklich an die italienischen Gialli erinnert, denn die klingt als würden irgendwo „Goblin“ in die Tasten ihres Synthesizers hauen.

Auch auf anderer Seite zeigt der Film seine Stärken. Gerade unser Hauptcharakter, der Kommissar Eric Visser, präsentiert sich als hervorragender Leading-Man, der mit seiner raubeinigen Art gut unterhält. Seine Charakterisierung als alleinerziehender Polizist, der gerne mal auf eigene Faust handelt, mag zwar etwas abgedroschen wirken aber im Film funktioniert sie einfach. Die anderen Figuren bleiben hingegen etwas blass und auch die Romanze zwischen Visser und der Taucherin Laura bleibt Nebensache. Dafür konzentriert sich Regisseur Dick Maas voll auf die Schauwerte. Sei es die spannenden Suspense-Szenen oder die handfeste Action, denn die kann sich wirklich sehen lassen. Allen voran die spektakuläre Verfolgungsjagd mit Speed Booten durch die Amsterdamer Grachten ist ein Traum. Hier zeigt Maas sein ganzes Können und inszeniert Action auf Bond-Niveau, was einen witzigen Touch bekommt, da der Stunt in „Verfluchtes Amsterdam, bei dem ein Speed Boot über eine Brücke fliegt, den ähnlichen Bootssprung aus „Live and let Die“, von 1973, in der Flugweite übertraf und so den Bond-Film im „Guinness Buch der Rekorde“ ablöste. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ein holländischer Film das liefern könnte, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Da können sich die Deutschen eine Scheibe von abschneiden. Nicht nur in den bereits erwähnten Punkten ist alles mehr als stimmig, auch die Darsteller sind voll bei der Sache. Huub Stapel liefert als Kommissar eine treffende Performance ab und spielt sehr sympathisch. Auch die anderen Darsteller, obwohl sie weit weniger Raum zur Entfaltung haben, spielen solide bis gut. Auch die Musik untermalt, wie schon erwähnt, wunderbar das Geschehen. Klassische 80er Synthie-Mukke, die zwar keine Meilensteine birgt, jedoch so unverschämt cool daherkommt und dem Film ein schönes Flair gibt. Diesen Streifen können sich Genre-Fans beherzt in die Sammlung stellen, denn er muss sich sicher nicht hinter ähnlich gelagerten Filmen aus Italien oder auch Hollywood verstecken. Dick Maas zeigt hier sein Können, so dass es umso mehr schade ist, dass er nie einen internationalen Ruf erlangen konnte, im Gegensatz zu seinem Kollegen Paul Verhoeven.

„Verfluchtes Amsterdam“ ist ein sehr unterhaltsamer Thriller. Mit Slasher/Giallo-Elementen und Action gewürzter Polizei-Kracher, der fast zwei Stunden Spaß macht. Wunderbar inszeniert und mit gut aufgelegten Darstellern, zeigt Dick Maas, dass er mehr kann als „Flodders“. Das hätten die Kollegen aus Italien, mit ihren Polizei-Reißern, auch nicht besser hinbekommen.