Wenn der Wind weht (1986)

Inhalt:

Irgendwo in England, Mitte der 80er Jahre (obwohl nie explizit gesagt wird wann der Film spielt). Jim und Hilda sind ein altes Ehepaar, welches in trauter Zweisamkeit zusammen leben und lieben. Eines Tages hören die Beiden  im Radio den Beginn einer nuklearen Auseinandersetzung. Jim baut mit Hilfe einer Broschüre einen Bunker. Der Einschlag einer Atombombe erfolgt und die  beiden retten sich in den Bunker. Am nächsten Tag scheint zunächst alles wie gewohnt. Doch die Verstrahlung hält erbarmungslos Einzug in das Leben von Jim und Hilda.

Filmisches Feedback:

Leise, aber gewaltig

MAD MAX, DIE EISPIRATEN oder CHERRY 2000. Es gibt viele Filme aus den 80ern, die als Thema die postapokalyptischen Auswirkungen vom Ende der Welt haben. Und meist spielen diese Filme eher im Actiongenre oder haben anderweitig eher Bezug zum Fantastischen. Aber es gibt auch Filme, die sich dem Thema sehr sensibel annähern. Als Beispiel sei da zu sagen THE DAY AFTER, DAS LETZTE TESTAMENT  oder THE QUIET EARTH.

Einer der wohl besten, aber leider auch der untergegangensten Filme ist das Zeichentrickdrama WENN DER WIND WEHT vom Oscarnominierten Jimmy T. (Teru) Murakami. Der Regisseur japanischer Abstammung machte sich vor allem im Animationsbereich und in der Werbeindustrie einen Namen. Später inszenierte er für Roger Corman die Filme SADOR – HERRSCHER IM WELTRAUM und DAS GRAUEN AUS DER TIEFE (beide 1980). Angesiedelt in England irgendwann zur Zeit des kalten Krieges, schafft es der Film mit seinen warmen Zeichnungen, seiner genialen Synchronisation (allein Peter Schiff  ist Gold wert und Brigitte Mira) und seiner feinen Musik (Roger Waters, EX-Pink Floyd) eine Atmosphäre des dramatischen Untergangs zu kreieren. Selten, hat mich ein Zeichentrickfilm so berührt. Und noch seltener schafft es ein Film, sich dem Thema mit solch viel Gefühl zu nähern.

Peter Schiff war nach Gerd Martienzen die Stimme von Louis de Funes in den Filmen DER QUERKOPF (1978), LOUIS UNHEIMLICHE BEGEGNUNG MIT DEN AUSSERIRDISCHEN (1979) und LOUIS UND SEINE AUSSERIRDISCHEN KOHLKÖPFE (1981). Er sprach aber auch als Synchronsprecher HAL 9000 im Klassiker 2001 – ODYSSEE IM WELTRAUM (1969) und seiner Fortsetzung. Als Schauspieler sah man ihn in Filmen wie MANNI, DER LIBERO (1981) oder OTTO- DER LIEBESFILM (1992). Brigitte Mira (DIE DREI DAMEN VOM GRILL (1976 – 1991) ist über jeden Zweifel erhaben. Im Original werden die Figuren gesprochen von John Mills (RYANS TOCHTER, 1970, dafür gab es den Oscar) und Peggy Ashcroft (SUNDAY, BLOODY SUNDAY, 1971, DIE REISE NACH INDIEN, 1984, auch dafür gab es einen Oscar).

Das Schöne an dem Film ist, dass er es nur durch die warmen Töne und der wunderbaren Stimmen schafft ein sensibles und dennoch hartes Thema uns gefühlvoll entgegenzubringen. Mit nur sechs Stimmen kreiert Murakami eine bedrückende Atmosphäre, bei der immer wieder ein Fünkchen Hoffnung und ein wenig Humor auf fackelt. Wenn Jim immer wieder aus der Broschüre „Protect and Survive“ vorliest und dies dann umsetzen möchte, während Hilda in Erinnerungen  an alte Zeiten schwebt, dann hat das was nostalgisch Berührendes. Auch wenn die Broschüre uns jetzt so albern erklingen mag, sie wurde tatsächlich so angelegt wie die Original „Protect and Survive“-Broschüre der britischen Regierung zu der Zeit. Der Film schnürt einen die Kehle zu, wenn Jim verstrahlt im Bett liegt und Hilda ihn bemuttert. Noch nie hat ein Animierter Film solch ein Thema so emotional aufbereitet. Man fühlt mit den Figuren und trauert mit Ihnen.

Ein wahrer Gefühlsfilm in einer bedrückenden Zeit.