Wo, bitte, geht’s zur Front? (1970)

Er war Schauspieler, Komiker, Produzent und Regisseur – alles in einer Person. Die Rede ist von Jerry Lewis. Nicht zu verwechseln mit dem Musiker Jerry Lee Lewis, das passiert nämlich manchen. Schon in den 50er und 60er Jahren drehte Jerry viele Filme, zumeist Komödien, um ganze Familien unterhalten zu können. Die Komik gemischt mit einem Hauch Slapstick wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt. Der Mann der Grimassen und Gesten, ein Mann mit tausend Gesichtern. Oft sagen Gesichtsausdrücke mehr als Worte und Kommentare. 1970 drehte er den Film Wo bitte, geht’s zur Front?, für den er auch erneut auf dem Regiestuhl Platz nahm. Das Drehbuch schrieb Kollege und Freund Dick Miller. Den wir unter anderem auch aus „Gremlins“ von 1984 als Murray Futterman kennen. Natürlich war dies nicht sein einziger Auftritt vor der Kamera, in seiner Filmlaufbahn sind etliche bekannte Titel vorzufinden. „Terminator“, „Die Nacht der Creeps“ und „Meine teuflischen Nachbarn“, um nur ein paar weitere Titel zu nennen.

Milliardär Brendan Byers III ist vollkommen gelangweilt und wohlstandsmüde: Deshalb möchte er während des Zweiten Weltkriegs das Weltgeschehen auch an der Front bestimmen. Sein Problem: Er wurde ausgemustert. Doch Mr. Byers ist nicht der Mann, für den ein Nein eine Antwort ist. Und so tritt auf der Seite der Alliierten bald eine neue Macht in den Krieg ein: Mr. Byers hat kurz entschlossen eine Privatarmee auf die Beine gestellt, die sogar hinter die deutschen Linien gelangt, wo sie einen hohen Nazi-Offizier kidnappt.

Schaut man sich die Story von Wo bitte, geht´s zur Front an, so wird einem Filmfan sofort Charlie Chaplin ins Gedächtnis kommen. So wie Chaplin nimmt Jerry die damaligen Geschehnisse ordentlich auf die Schippe. Er tritt hier sogar in einer Doppelrolle auf. Einmal mimt er den Milliardär Byers und den Nazi-Offizier.

Verstärkung hat er durch weitere Filmfreunde und Kollegen, mit denen er schon öfters zusammen gearbeitet hat. John Wood als Finkel, Steve Franken als Peter Bland, Jan Murray und Robert Middleton. Jerry Lewis mimt in diesem Film mal nicht den Trottel und Tolpatsch vom Dienst, sondern verleiht der Rolle des Milliardärs Byers einen ernsten Touch. Nur vereinzelt tauchen seine typischen und dafür geliebten Grimassen schneidereien auf. Der Humor des Films wurde mehr auf die Satirische Seite verlegt und stützt sich aufgrund der Geschehnisse im Plot. Allein schon das ein farbiger amerikanischer Bürger sich eine deutsche Wehrmachtsuniform überstreift und als Chauffeur eines Nazi-Offiziers dient, ist makaber und zugleich amüsant.

Doch diese Anspielungen und Verharmlosungen verhalfen dem Film zu vielen niederschmetternden Kritiken und er wurde förmlich zerrissen. An den Kinokassen war er ein Flop und Jerry Lewis hatte arge Probleme mit dieser Niederlage umzugehen. Sein Entschluss daraus, sich erstmal aus dem Filmgeschäft zu verabschieden stand fest. Diese Pause zog sich bis zu 8 Jahre hin, bevor der nächste Film vom ihm startete. Die Niedermachungen und Verspottungen brachten es auch sogar soweit das sein Film „The Day the Clown Cried“ von 1972 nicht aufgeführt wurde.

Wo bitte, geht’s zur Front? ist wahrscheinlich nicht der beste Film von Jerry Lewis, aber dennoch ein Glanzstück seiner langen Komikerkarriere. Doch man kann ruhigen Gewissens behaupten, das er in den Jahren zuvor, durchaus erfolgreicher und motivierter daher kam. Viele seiner Filme waren nicht nur in den USA beim Publikum sehr beliebt und ein Kassenmagnet. Doch nachdem er sich auf die Regiearbeit stürzte, nahmen seine Filme deutlich ab. Wahrscheinlich war er mit den ganzen Aufgaben auch einfach überlastet und überfordert. Vieler seiner Filme nach 1970 waren eher Flops und Jerry hatte es verdammt schwer sich am Markt zu behaupten.

Lange Zeit gab es Wo bitte geht´s zur Front nur auf VHS vom Label WARNER. Doch nun ist es endlich soweit, er findet seinen Weg ins digitale Zeitalter und bekommt eine würdige Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray vom Label „Digidreams“ spendiert – in der CLASSIC CULT COLLECTION. Da alle Masterbänder einen Tonfehler besitzen, muss man leider auf DVD und Blu-ray ebenfalls mit diesem kleinen Fehler leben. Man hört den Ton leicht hallig und dumpf, was aber nur ungefähr 5 Minuten der Spielzeit eintritt.