Women of San Quentin

Eine sexy Wärterin mit geöffneter Bluse, im Anschlag eine Waffe und ein lasziver Blick durch eine Sonnebrille. Dies alles bekommt man auf dem VHS Cover zum Film „Women of San Quentin“ zu sehen. Kann diese Anpreisung auch im Film gerecht werden?

Regisseur dieses Gefängsnisdramas ist William A. Graham. Viele namenhafte Produktionen sind in seiner Filmographie kaum vorzufinden. Lediglich die Titel „Rückkehr zur Blauen Lagune“ von 1991 und „Treibjagd in den Wolken“ von 1982 mit Larry Hagman alias J.R.Ewing sind hierzulande etwas bekannter. Dazu gesellen sich noch diverse Episoden von TV Serien und TV Filme.

Viele werden sicherlich beim Ansehen des Covers auf den ersten Blick einen weiteren Vertreter aus dem WIP (Woman In Prison) Genre erkennen, doch weit gefehlt. „Women of San Quentin“ verfolgt eine ganz andere Sichtweise des Gefängnisalltags. Man verfolgt das Leben und Arbeiten verschiedener Frauen die in der Männer Domäne eines Gefängniswärters arbeiten. Zwischen tausenden von Männern, die üble Verbrechen begangen haben und auch vor Frauen keine Scheu kennen. Das im Gefängnis nicht immer alles glatt läuft und es öfters zu handgreiflichkeiten zwischen Gefangenen und Wärtern kommt, ist allseits bekannt. Doch hier muss eine Frau ihren Mann stehen. Muss sich gegen stärkere Männer behaupten und sich nicht das Zepter aus der Hand nehmen lassen.

Man begleitet die junge Frau namens Liz Larson, die neu im Gefängnis ist. Liz merkt recht schnell das mit den Gefangenen nicht zu spaßen ist. Doch auf die Hilfe ihrer männlichen Kollegen kann sie nicht zählen. Es handelt sich allesamt um Chauvinisten, die einer Frau diesen harten Job nicht zutrauen. Doch sie bekommt Unterstützung von Janet Alexander. Sie ist schon länger im Gefängnis als Wärterin und gibt ihr tatkräftige Unterstützung. Beide müssen sich einer bedrohlichen Gefängnisrevolte gegenüber stellen und ihren Mut beweisen. Doch nicht nur im Job müssen beide gewisse Proben überstehen, auch das Private Umfeld macht ihnen das Leben schwer.

Man muss zugeben, das sich die Story nicht sonderlich neu und erfunden anhört. Aber die filmische Umsetzung und die Leistungen der Darsteller bringen den Film nach vorn. Ein Drama was keineswegs in eine dunkle Schublade gesteckt werden sollte. Langeweile ist hier fehl am Platze und macht sich auch nicht breit. Der Zuschauer wird gut versorgt mit Szenwechsel vom Gefängnis zum Privatleben und zurück. Beide Welten lassen sich oft nicht einfach trennen, und die Übergänge sind oft nahtlos und kaum wahrzunehmen. Somit kann sich der Zuschauer gut in die Haut der Darstellerinnen versetzen und betrachtet mal eine Ansichtsweise des anderen Geschlechtes.

In den Rollen von Liz und Janet sind Amy Steel und Stella Stevens zu bewundern. Beide Damen sind in der Filmwelt keine Unbekannten und können auf so manche Rollen in bekannteren Filmen glänzen. In einer weiteren Rolle taucht Ernie Hudson auf, er sollte als Winston Zeddmore aus „Ghostbusters“ ein Begriff sein. Doch sein Filmlebenslauf ist bedeutend länger und umfassender als so manche erahnen.

„Woman of San Quentin“ stelle ich als klaren Geheimtipp vor. Ein Drama was einen bewegt und zum nachdenken anregt. Schlichte Story – aber gut inszenierte Umsetzung, auch Dank der guten Schauspielleistungen aller Beteiligten. Doch leider gibt es noch was negatives zu berichten. Es handelt sich um einen ONLY VHS Titel. Wird Zeit das sich ein Label diesen Film vornimmt und ihn würdig ins digitale Zeitalter katapultiert. Sonst bleibt er weiterhin verschlossen, wie viele Gefängsniszellen.