Zero Tolerance (1994)

“Zero Tolerance”
USA 1994
mit Robert Patrick, Titus Welliver, Mick Fleetwood…
Drehbuch: Jacobsen Hart
Regie: Joseph Merhi
Länge: 88 Minuten
FSK: ab 18 Jahren (Indiziert)

Der FBI-Agent Jeff Douglas (Robert Patrick) hat den Auftrag, den Drogen-Boss Ray Manta (Titus Welliver) über die mexikanische Grenze in die USA zu überführen. Doch Jeff und seine Kollegen geraten in einen Hinterhalt, bei dem es dem Gefangenen gelingt zu fliehen. Als Manta schließlich Jeffs Familie bedroht, willigt dieser ein, ihm bei einem Drogen-Schmuggel zu helfen, doch der Gangster hält nicht was er verspricht und lässt Jeffs Frau und Kinder ermorden. Allerdings überlebt Jeff selbst ein Attentat und schwört daraufhin blutige Rache. Alleine macht er sich auf den Weg, um Manta und seine mächtigen Komplizen auszuschalten, ohne Rücksicht auf Verluste!

Ich mag Actionfilme, und ich habe auch ein großes Herz für B-Action aus den 80ern und 90ern. In diesem Segment finden sich viele Schätze und die meisten Filmgucker huldigen den Filmen aus der „Cannon“-Schmiede. Dabei wird ein Studio immer gerne vergessen, welches in den 90er Jahren für glühende Videorekorder sorgte. „PM Entertainment“ lieferte handfeste, günstig produzierte Gebrauchsware für den, nicht sonderlich anspruchsvollen, Actionfan, der vor allem Eins mochte: Schießereien, Explosionen und handfeste Prügel. Der 1994 veröffentlichte „Zero Tolerance“ stellt dabei ein Paradebeispiel dar und liefert genau diese Kernelemente, allerdings auch nicht mehr.

„PM Entertainment“ wurde 1989 von Joseph Merhi und Richard Pepin gegründet, die in den 90ern mit Low-Budget Actionfilmen einen guten Lauf hatten. Anders als die Kollegen Golan und Globus in den 80ern, hatten die beiden nie den Anspruch gute Filme zu produzieren oder auch mal anspruchsvollere Projekte in Angriff zu nehmen. Bei ihnen sollte es vor allem: Krachen. Die Videotheken schossen aus dem Boden und es galt die vielen Video-Freaks zu füttern. Dabei lieferten sie immer das, was gerade gewünscht war. Wollte man mehr Sex, gab es mehr Sex, wollte das Publikum mehr Gewalt sehen, gab es diese auch prompt im nächsten PM-Titel zu bewundern. Teilweise wurden diese Elemente noch während der laufenden Produktion noch in den Drehplan gequetscht. Große Stars konnte man sich nicht leisten, weshalb ein Pulk an B- und C-Stars bei „PM Entertainment ihr Zuhause fand. Lorenzo Lamas, Cynthia Rothrock, Don „The Dragon“ Wilson, Jeff Wincott oder Gary Daniels waren regelmäßig im neusten Direct-to-Video Release zu finden. So ist es fast schon verwunderlich, dass Robert Patrick in „Zero Tolerance“ vor den PM-Kameras die Kugeln verteilte. Der Schauspieler wurde drei Jahre zuvor als T-1000, der Antagonist von Arnold Schwarzenegger, im Klassiker „Terminator 2“ (1991) weltberühmt. In diesem B-Actioner gibt er den knallharten FBI-Agenten, der auf einmal ganz weich wird, als ein Drogenboss seine Familie auslöscht. Der böse Rauschgift-Händler gehört zur „weißen Hand“, einem landesweit operierendem Drogenkartell, welches mehrere Führungskräfte beschäftigt. Patrick hat da etwas dagegen und schwört blutige Revenge für seine Sippe. Das ist auch schon die Handlung von „Zero Tolerance“, die wahrscheinlich auf eine Pizza-Schachtel passt, denn sonderlich umfangreich kann das Drehbuch nicht gewesen sein.

Aber „PM Entertainment“ war ja auch nie für narrative Meisterwerke berühmt. So folgt die Handlung den üblichen Motiven des klassischen Selbstjustiz-Reißers. Hauptfigur wird etabliert, Familie wird über den Jordan geschickt, Hauptfigur sieht rot und beginnt einen nach dem anderen standesgemäß umzunieten, was natürlich in ansehnliche Action-Sequenzen gepresst werden musste und die sind ja auch nun mal Sinn, Zweck und auch Hauptargument eines solchen Films. Für einen Film haben Pepin und Merhi nie mehr als 350.000 bis 500.000 US-Dollar ausgegeben, weswegen es schon respektabel ist, dass man die Action als durchaus gelungen bezeichnen kann. Die Explosionen krachen und sind schön mit Slow-Motion in Szene gesetzt, die Blutbeutel platzen und mit den Pyro-Effekten hat man auch nicht gegeizt. Da darf man sich auch nicht wundern, dass viele Kleinigkeiten recht billig aussehen. Dazu gesellt sich etwas Stock-Footage, wie zum Beispiel die Szene in der eine Person aus einem Fenster stürzt. Diese Einstellungen sind zum Beispiel 1:1 im Gary Daniels-Vehikel „Deadly Target“ (1994) zu finden. Man muss halt sparen, wo man sparen kann. Wahrscheinlich sind gut 60% des Budgets in die Action gesteckt worden, denn mehr gibt „Zero Tolerance“ nicht her. Logiklöcher, fehlende Motivationen und Handlungssprünge sind an der Tagesordnung aber wenn etwas in die Luft gejagt wird, sind diese Umstände schnell vergessen. Es ist einfach unterhaltsames 90er Direct-to-Video Feuerwerk, welches man in dieser Form heute kaum noch findet. Wo heute Alles billig digital ins Bild gewichst wird, wurde damals noch per Hand gesprengt. Das ist der Retro-Charme, der hier greift, auch wenn keine Hollywood-Ware ist. Joseph Merhi, der hier auch als Regisseur fungierte, macht seinen Job ordentlich. Der Chef weiß eben worauf es ankommt. Neben Robert Patrick, der hier relativ routiniert den Bronson der 90er mimt, „glänzt“ noch B- bis C-Prominenz, wie Titus Welliver oder Ex-Tarzan Miles O’Keefe in einer Nebenrolle. Zu haben gibt es dieses Kleinod seit kurzem im DVD-Mediabook von „DigiDreams“, da für eine Blu-Ray keine HD-Master auffindbar waren, da damals wahrscheinlich direkt auf Video gedreht wurde.

„Zero Tolerance“ ist ein frei von künstlerischen Ambitionen strahlendes Machwerk aus der Kult-Schmiede von „PM Entertainment. Grottiges Drehbuch, und eine grottige Synchro, und B-Prominenz gesellen sich zum fröhlichen Geballer. Ansehnliche Action, handgemachte Stunts und knackige Explosionen dürften dem Hardcore-Actionfan ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Allen anderen ist hier dann doch abzuraten. Passt wunderbar ins Nachtprogramm von RTL 2, macht aber irgendwie Laune!