Zug des Lebens (1998)

Inhalt:

1944 erfahren die Einwohner eines Dorfes, dass sie deportiert werden sollen. Dorftrottel Schlomo (Lionel Abelanski) findet die Lösung: man baue einen falschen „Deportationszug“ mitsamt seinen ganzen Insassen und Personal (natürlich sind das die Einwohner) und schlägt den Nationalsozialisten ein Schnäppchen. Ob das gut geht?

Filmisches Feedback:

Humorvolles Überleben bis zum bitteren Ende

Ein Film über den Holocaust zu drehen und dabei zu lachen galt als unmöglich (hier sind nicht die Filme von z.B. Mel Brooks gemeint die sich direkt über die lächerliche Nazigefolgschaft lustig macht, wie in FRÜHLING FÜR HITLER (1968)) bis Roberto Begnini kam. Obwohl hier erwähnt werden muss, dass Radu Mihaiheau (der Regisseur und Drehbuchautor) Roberto Begnini für den Film als Darsteller haben wollte. Als Begnini ablehnte drehte dieser dann DAS LEBEN IST SCHÖN (1997). Also kam dieser Film hier ein Jahr später raus. Ein wenig komisch mutet das schon an, wenn man den Inhalt und das Gesamtkonstrukt ansieht.

Mit Humor lässt sich viel Schmerz verarbeiten und er dient zudem als Schutz vor Isolation. Der Film bietet eine breite Palette um auf diese Problematik aufmerksam zu machen. Dieser Film beschönigt nichts. Das Grauen ist vorhanden und er macht sich nicht über die Juden lustig (der Regisseur ist selbst Jude). Was man unschwer am Ende erkennen kann, welches ich nicht verraten möchte.

Im Gegenteil: Allein wegen der übertriebenen Darstellungen und Slapstickeinlagen entlarvt hier Regisseur Radu Mihaiheau den Krieg als ein absurdes Spektakel, in dem die Grenzen der Logik gestoppt werden. Und die Faszination des Glaubens an den Wahnsinn ist allgegenwärtig (z.B. die Versorgungszene). Die Unmenschlichkeit der Deportation steigert sich ins Groteske. Hierbei vermittelt der Film an einigen Stellen ein Wunschbild des Friedens und überkultinationalen Zusammenhalt (wie z. B. die betenden Nazis). Der Film ist ein Plädoyer für Menschlichkeit und dem Lachen als Trostsucher in einer Zeit wo es genug Trauer gab. Grade in heutiger Zeit mehr denn je es wert wiederentdeckt zu werden.

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