Zum Töten freigegeben (1990)


USA 1990
mit Steven Seagal, Basil Wallace, Keith David…
Drehbuch: Michael Grais, Mark Victor
Regie: Dwight H. Little
Länge: 92 Minuten
FSK: ab 18 Jahren

Eigentlich wollte sich Cop Hatcher zur Ruhe setzen und ein friedliches Leben zu Hause verbringen. Doch der grausame Drogenboss und Voodoo-Priester Screwface und seine Bande terrorisieren seine Familie. Hatcher räumt auf.

Actionfilme mit Steven Seagal sind immer so eine Sache. In den vergangenen 15 Jahren feuerte der Akiido-Meister eine Direct-to-Video Gurke nach der anderen aus seinem, nie kalt werdenden, Kanonenrohr. Dabei hat der gute Steven in seiner Anfangszeit doch den ein oder anderen unterhaltsamen Reißer abgeliefert. Eines von diesen Werken ist der 1990 veröffentlichte „Zum Töten freigegeben“, in dem es der überzeugte Buddhist auf einem Rachefeldzug ordentlich krachen lässt. Warum der Film trotzdem nur Mittelmaß ist, erfahrt ihr hier!

Ich persönlich war nie der große Steven Seagal-Fan. Er war mir immer zu stoisch, mimisch gelähmt und frei von jeglichem Charisma. Andere Genre-Veteranen, wie Jean-Claude van Damme, sah ich immer lieber. Auch die Filme von Seagal waren immer etwas behäbiger, als die seiner Kollegen, was nicht bedeuten soll, das man diese „Werke“ nicht gucken könnte. Nein, trotz aller Kritik gegen den, mittlerweile, Akiido-Rollmops, dessen Stunt-Doubles heutzutage mehr Screentime haben, als er selbst, hat der Action-Star einige ansehnliche Werke gemacht. „Nico“, „Hard to Kill“, „Deadly Revenge“ und „Alarmstufe: Rot“. Auch wenn letzterer, im Grunde, nur ein Rip-Off des Klassikers „Stirb Langsam“ darstellt, macht er trotzdem Spaß. Dazwischen reiht sich auch „Zum Töten freigegeben“ von 1990 ein, im Original: „Marked for Death“. Ein Film, der sehr ähnlich zu den ersten drei genannten Action-Filmen ist. In allen, spielt Seagal einen Cop, der es mit kriminellen Organisationen aufnehmen muss. So generisch verläuft auch die Handlung von „Zum Töten freigegeben“. Seagal, oder John Hatcher, wie er hier heißt, entsagt seinem Job als Cop bei der DEA und will sich zur Ruhe setzten, kommt in Konflikt mit einer jamaikanischen Drogen-Bande, die wiederum verüben einen Anschlag auf seine Familie und der gute Steven geht auf einen blutigen Rachefeldzug mit großem Kaliber. Da stellt sich schon das erste Problem ein, denn die Handlung ist ziemlich lahm und kommt ohne Höhepunkte aus. Nach dem Ein mal Eins der Action-Dramartugie gestrickt, darf Seagal schießen, schlagen, Knochen brechen und jemanden enthaupten. Klar, ich erwarte nicht, dass mich die Story vom Hocker haut, dennoch konnten Leute, wie van Damme und Lundgren da immer etwas mehr bieten. Alles ist äußerst vorhersehbar und plätschert vor sich hin. Auch die Action ist jetzt nicht der absolute Bringer. So nett die Keilereien und Schießereien auch anzusehen sind, richtig spektakulär ist das für mich nicht. Bei vielen Sequenzen fehlt es einfach an Tempo und an Drive, ohne Dynamik verdrischt unsere Hauptfigur einen nach dem anderen. Das wird auf Dauer etwas langweilig und auch das Finale kocht eher auf kleiner Flamme, als das man ordentlich auf die Kacke haut.

Auch glorifiziert der Film stark das Thema „Selbstjustiz“. In der einen Szene lässt sich die Hautfigur noch über die Sinnlosigkeit des Tötens aus, kritisiert seinen Beruf und die Schattenseiten, die er mit sich bringt, in der nächsten ballert er Gangster über den Haufen. Gegen die Familie darf man halt nicht gehen, das ist in der Welt von Steven Seagal ein Freibrief um Leute zu massakrieren. Natürlich sind auch die Bösen richtig böse. Miese Drogendealer, die wie Tiere auf unschuldige losgehen, klar sind ja auch eine ethnische Minderheit. Aber auch diesen Aspekt kann man ausblenden, war halt damals so. Bei allem Gemotze, handwerklich kann man hier niemandem etwas vorwerfen. Die Kamera stimmt, der Schnitt ist sauber und grobe Fehler findet man eher nicht. Dwight H. Little, seines Zeichens Regisseur bei diesem Film hat routiniert seine Arbeit erledigt. Der Mann, der auch schon für „Halloween 4“ verantwortlich war, macht keine Experimente und zieht stringent seine Arbeit durch. Dass er es auch etwas besser kann, hat er ja mit „Rapid Fire“ gezeigt, aber da hatter er auch Brandon Lee. Und da kommen wir zu dem großen Problem: Steven Seagal! Der Mann hat einfach keine Ausstrahlung, kein Charisma und seine Schauspielkünste sind wenig erkennbar, was viel dazu beiträgt, dass der Film auch zu großen Teilen farblos wirkt, auch sieht dieses „Akiido“ auch nicht so spektakulär aus, aber da kann ich als NICHT-Kampfsportler keine Meinung abgeben. Und da der Film auch den Vorgängern sehr ähnlich ist, kommt zu keinem Zeitpunkt, zumindest bei mir, irgendein Interesse an, der sich abspielenden, Handlung auf. Auch der Rest der Darsteller ist höchstens Mittelmaß. Alle Schauspieler, wie Keith David oder Tom Wright sind klassische Nebendarsteller, die heute eher mal im TV zu sehen sind, als im Kino. Lediglich Danielle Harris, die als Jamie Lloyd in den „Halloween“-Filmen großartig war, löste bei mir Interesse aus, doch leider ist sie nur in zwei Szenen zu sehen. Trotz aller Kritik war der Film ein finanzieller Erfolg, Seagal kam beim Publikum an und er durfte weiter in die Kinos ziehen, bis dann Ende der 90er, wie bei anderen auch, schließlich Ruhe im Karton war. Heute ist der ehemals drahtige Martial-Artist fett und aufgedunsen und dreht nur noch Filme für die Resterampe, die kaum noch schaubar sind, aber sei es drum, vom Hocker gerissen hat er mich nie.

„Zum Töten freigegeben“ ist ein generischer, überraschungsfreier und wenig spektakulärer Action-Reißer aus dem Jahr 1990. Mit ordentlicher Selbstjustiz in petto werden hier zahlreiche Knochen gebrochen. Obwohl handwerklich solide, hätte daraus, mit besserem Hauptdarsteller und etwas mehr Drive, ein besserer Film werden können. Trotz allem ist er ansehnlich aber man hat auch nichts verpasst, wenn man ihn nicht gesehen hat.